Über mich

Tja, was kann ich da erzählen...? Die Kurzfassung: Ich bin 36 Jahre alt jung, lebe glücklich mit meinem wunderbaren Mann in der Nähe von Osnabrück und möchte Schriftstellerin werden, wie so viele andere hoffnungsfrohe Schreiberlinge auch! Im Dezember 2012 habe ich den Lehrgang "Die große Schule des Schreibens" der Hamburger Akademie für Fernstudien begonnen, um eine gute Grundlage für die Verwirklichung dieses lebenslangen Traums zu schaffen. Diese Seite habe ich mir eingerichtet, um ein lauschiges Plätzchen für meine schriftstellerischen Ergüsse zu haben.

Warum ich schreiben lernen will? Das war direkt die erste Einsendeaufgabe im Lehrgang, und hier ist eine gekürzte Fassung:


Das Lesen und das Erzählen oder Schreiben kamen mir schon früh fast untrennbar verbunden vor, beinahe wie das Einatmen und Ausatmen.

Bereits im Kindergarten liebte ich meine Bücher, mehr noch als den abgewetzten, mehrfach geflickten Stoffhasen, der mich überall hin begleitete. Ständig drängte ich meine Mutter, mir die immer gleichen Geschichten wieder und wieder vorzulesen - mir wurden sie nie langweilig! Wenn sie dazu keine Lust hatte, spielten wir oft ein Spiel: sie griff einen völlig verrückten Satz aus dem Nichts, dann dachte ich mir den nächsten aus, und so woben wir, immer abwechselnd, eine Geschichte. Meist hatten diese Geschichten weder eine vernünftige Handlung noch ein auch nur annähernd sinniges Ende, aber das war uns nicht wichtig.

Kurz nach meinem vierten Geburtstag begann meine Mutter damit, mir das Lesen beizubringen. (Rückblickend kann ich nur vermuten, dass sie das aus schierer Verzweiflung tat, um endlich Ruhe vor meinem unersättlichen Hunger auf Geschichten zu haben.) Sie kaufte mir ein hochgelobtes, pädagogisch wertvolles Lernspiel. Der mit Gütesiegeln übersäte Karton enthielt zahllose, auf dicke Pappe gedruckte Wortschnipsel, sowie bunte Bildkarten, die mir das noch Unbegreifliche begreiflich machen sollten. Bevor ich mehr als vielleicht ein Dutzend Begriffe lesen konnte, fing ich schon an, einfache Geschichten aus Wort und Bild zu legen.

Dann kam der magische Moment, den ich nie vergessen werde: ich sah hinunter auf eine Buchseite, und urplötzlich entstanden aus den rätselhaften Symbolen auf weißem Grund Wörter, Sätze, eine ganze Geschichte. Mir klopfte das Herz, es kam mir vor wie ein kleines Wunder... Und ich beschloss sofort, dass ich einfach lernen musste wie man es anstellte, Geschichten in Buchstaben einzufangen.

Also musste meine geplagte Mutter mir auch noch das Schreiben beibringen - und danach eine große Anzahl krakelig geschriebener Meisterwerke zweifelhafter Rechtschreibung in Empfang nehmen.

Die Grundschule bestärkte mich in meiner Liebe zum Schreiben; ich heimste viel Lob ein für meine fantasievollen Aufsätze und Gedichte - jedenfalls von den Lehrern. Bei den Schülern hatte ich schnell einen Ruf als Aufschneiderin weg. Dabei wollte ich doch gar nicht angeben, sondern nur spannender machen, was ich erzählte! Und erzählen tat ich viel, ich war eine richtige Quasselstrippe. Realität und Vorstellung vermischten dabei sich des Öfteren hemmungslos.

Zuhause begann ich meine ersten längeren Geschichten, die mit sorgfältiger Schönschrift in ein großes Notizbuch mit rotem Einband geschrieben und dann liebevoll mit bunten Bildern illustriert wurden. Als wir in der dritten Klasse gefragt wurden, was wir später werden wollten, musste ich keine zwei Sekunden darüber nachdenken - Autorin, was denn sonst?

Als Teenager hatte ich später (verständlicherweise) keine Lust mehr auf Geschichten über Hasenfamilien und Blumen-Feen. Ich schrieb über das, was mich bewegte – eher belanglos als literarisch wertvoll. Liebeskummer, Zickenkrieg in der Schule und die ewig unverstandene Teenagerseele!

Nach der Schule begann ich eine Ausbildung zur Buchhändlerin - unerwarteter Weise eine fatale Entscheidung für meine junge Autorenkarriere! Die Besitzer der Buchhandlung, ein kauziges Ehepaar, hatten das übliche Rentenalter bereits weit hinter sich gelassen und wenig übrig für moderne Literatur. In ihren Augen waren nur die Klassiker es wert, gelesen zu werden: Goethe, Schiller, Shakespeare, zähneknirschend meinetwegen noch Peter Handke und Max Frisch. Dass wir unser Geld größtenteils mit Liebesgeschichten, Krimis und Familiensagas verdienten, kümmerte sie wenig. Trivialliteratur - ein übles Schimpfwort aus ihrem Munde.

Ich war verunsichert. Mir gefielen viele der so geschmähten Bücher, und bisher hatten sie mir als Vorbild für meine eigenen Geschichten gedient. Hatte ich Alles falsch gemacht? Fortan bemühte ich mich krampfhaft, anspruchsvoll und hoch-literarisch zu schreiben - was dabei herauskam, war hölzern und trocken wie ein Dornbusch in der Wüste, nur das Wunder blieb aus. Sämtliche Natürlichkeit kam mir abhanden, und mit ihr die Lust am Schreiben; ich brachte weniger und weniger zu Papier. Übersteigerte Selbstkritik erstickte jede Geschichte schon im Keim.

Rätselhafte gesundheitliche Probleme, gefolgt von einer unerwarteten und schockierenden Diagnose, warfen mein Leben wenige Jahre später aus der Bahn. Es dauerte lange, ehe der Krankheit nicht mehr jeden Morgen der erste und jeden Abend der letzte Gedanke galt. Zum Schreiben blieb mir nur wenig Energie.

Aus der Lethargie riss mich erst 2011 ein Projekt namens "NaNoWriMo". Schreib ein Buch mit mindestens 50.000 Wörtern, und das in nur einem Monat - so lautete die Herausforderung. Völlig irre. Komplett unmöglich! Aber reizvoll... Wenn es nicht klappte, was hätte ich dann schon verloren? Am Ende des Monats hatte ich mehr als 75.000 Wörter geschrieben. Ein komplettes Buch, so wenig es den Titel auch verdienen mochte! Auch im Jahr darauf nahm ich erfolgreich teil. So zu schreiben, wie ich als Kind geschrieben hatte – mit Freude, Spaß und ungezähmter Fantasie... NaNoWriMo half mir dabei.

Doch je mehr ich schreibe, desto mehr wird mir klar, dass es damit noch lange nicht getan ist. Mir fehlt das Handwerkszeug, um aus meinen verworrenen Entwürfen spannende, lesenswerte Geschichten zu machen.

Geschrieben habe ich fast mein ganzes Leben lang – jetzt will ich es auch lernen.

  
© 2013 Alexandra Mikka Gottstein